Schützengesellschaft Adorf 1514 e.V.

Kleinod

Das Kleinod der Schützengesellschaft

Das Adorfer Schützenkleinod besteht aus einem HauptschildHauptschild von 1671und 45 weiteren Königsschildchen. Es stellt nicht nur einen unschätzbaren materiellen und historischen Wert dar, sondern ist auch durch seine Inschriften eine unvergleichliche Zeitdokumentation von Dorf und dem Schützenwesen.

Hier wird von Kriegen und Notzeiten berichtet, von Inflationen, von unserem Bergbau in den verschiedensten Phasen und von Zeiten des Aufschwungs. Ebenso von einer Zeit, die in unseren Geschichtsbüchern gern verschwiegen wird, einer Zeit der Euphorie und des vernichtenden Niedergangs, von der Teilung Deutschlands, dem Wunsch nach Frieden und der Liebe zur Heimat.

Finden wir anfangs auf den Kleinodschilden nur Namen und Jahreszahl des Stifters verzeichnet, ging man Mitte des 18. Jahrhunderts schon vereinzelt auf das Zeitgeschehen ein, wie das in jüngster Zeit bei uns fast immer üblich ist. Damit stellt Adorf nach Angaben der Münsteraner Volkskundler Sabine Hacke-Reuter und Dr. Ralf Vogeding in dem Museumsheft ,,Historisches Schützenwesen im Waldecker Land" eine Ausnahme dar. Lediglich in Korbach ist dies in einigen Fällen noch zu finden.

Durch unsere Kleinodanhänger stellen wir außerdem fest, dass in den vorigen Jahrhunderten nicht nur Adorfer ihre Stifter waren, sondern auch Beauftragte des waldeckischen Herrscherhauses und oftmals Bürger aus Nachbargemeinden. Wir können auch davon ausgehen, dass sie fast in allen Fällen in Adorf Schützenkönig waren. Daraus schließen wir, dass diese Personen eine enge Bindung an Adorf und das Adorfer Schützenwesen gehabt haben müssen.

Neben dem Hauptschild, das 1671 vom waldeckischen Herrscherhaus gestiftet wurde, besitzt die Schützengesellschaft noch zwei weitere Schilde, die mit ziemlicher Sicherheit auch von Angehörigen des Herrscherhauses gestiftet wurden. Sie sind in Größe, Form und Eingravierung fast identisch, zeigen beide in einem Kreis den Waldecker Stern mit einer Grafenkrone darüber. Nur bei den Buchstaben ist eine kleine Abweichung festzustellen. Während bei dem Schild A die Buchstaben H G C D W angeführt sind, finden wir bei Schild B die Zeichen E A C D W. Die jeweils gleichlautenden Buchstaben ,,C D W" können ,,comes de Waldecce", d. h. ,,Graf von Waldeck" bedeuten. Da beide Stücke ohne Jahreszahl sind, sollen sie hier an erster Stelle aufgeführt werden. Es darf auch angenommen werden, dass es sich wirklich um die ältesten Schilde unseres Kleinods handelt, da alle anderen Kleinodteile nach 1671 mit Jahreszahlen versehen sind. Außerdem ist bekannt, dass die ältesten Kleinodschildchen oder Figuren bei uns in Waldeck fast alle ohne Jahreszahl sind.

Das Hauptschild wurde 1671 vom waldeckischen Herrscherhaus gestiftet und gehört mit zu den schönsten Kleinodschilden im Waldecker Land. Es handelt sich um eine aus Silber getriebene Ovalkartusche in der Größe von 15 x 12,3 Zentimeter. Auf ihr ist eine die Glücksgöttin Fortuna darstellende Frauenfigur abgebildet, die auf der Weltkugel schreitend einen Schleier über ihrem Haupt schwenkt. Rechts neben der Figur ist das Wappen der Waldecker Grafen angebracht und darüber die Buchstaben ,, C G G Z W P U C H Z T P W W", (-- Carl, Gustav Graf zu Waldeck, Pyrmont und Cuylenburg, Herr zu Tonna, Palant, Witten, Werth). Dieses Schild, außerdem noch einige andere Königsschildchen, wurden von Georg Fritz Esau, Mengeringhausen, gefertigt. Esau war Hofgoldschmied der Waldecker Grafen, später auch der Waldecker Fürsten.

Auch seine Nachkommen haben in ununterbrochener Reihenfolge bis zum Jahr 1855 das Goldschmiedehandwerk in Mengeringhausen durchgeführt. Wir dürfen daher annehmen, dass verhältnismäßig viele unserer Kleinodanhänger von den Esaus gefertigt wurden. 

Das Hauptschild der Adorfer Schützengesellschaft, 1671 von Carl Gustav Graf zu Waldeck, Pyrmont und Cuylenburg, Herr zu Tonna, Palant, Witten, Werth gestiftet.

Autor: Robert Erlemann

   

Besondere Kleinodien

Schild A, ohne Jahreszahl
(ältestes Kleinod)

Schild A, ältestes Kleinod, ohne Jahreszahl

Kleinod von 1692
Kleinod von 1692
Diese quer-ovale Silberplatte wurde vermutlich ebenfalls von Georg Fritz Esau, sen. gefertigt. Sie zeigt in getriebener Arbeit ein weidendes Schaf. Stifter war Johannes Pohlmann, Factor 1692. Pohlmann war Mitinhaber der Kappensteiner Hütte; er kam aus Giebringhausen; das weidende Schaf deutet darauf hin, das er von Haus aus der Landwirtschaft und dem Wollhandel verhaftet war.

Kleinod von 1705
Kleinod von 1705
Ein Schild mit den Zeichen eines Schuhmachers: Johan Jacob Schröder - 1705. Die umrandete Inschrift: "Aliis serviendo consumor" (Ich opfere mich im Dienst für Andere / lt. Kirchenbuch Schuhmacher)

Kleinod von 1713
Kleinod von1 713
Kartuschenschild mit der Inschrift: Johan Bernhard Müller- 1713. In der Mitte das Wahrzeichen der Müller.

1952 Schützenkönig
Paul Schmidt und Frau
1952 Schützenkönig Paul Schmidt
Vollständige Königskette vor der Teilung.



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