Historie
Adorf und sein Schützenwesen
Wenn wir der Entstehung unseres Schützenwesens nachgehen, ist es nicht möglich, Schützenwesen und Dorf zu trennen. Die erste schriftliche Erwähnung findet Adorf im Jahr 1120. Diese Erwähnung ist jedoch nicht mit einer Geburtsurkunde gleichzusetzen. Adorf ist wesentlich älter, zählt zur zweiten Siedlungsperiode und muss daher in der Zeit zwischen 400 und 700 n.Chr. entstanden sein.Der Raum um die Diemel und somit auch Adorf war in der Frühgeschichte uraltes Grenzgebiet zwischen Sachsen und Franken. Hier kam es immer wieder zu Unruhen. Über die ostwärts von Adorf gelegene Hochfläche verlief eine aus dem Raum Frankfurt kommende und über Marburg und Paderborn bis nach Bremen führende frühgeschichtliche Straße, welche Karl der Große während der Sachsenkriege benutzte. Diese Straße heißt streckenweise noch heute "Alte Heerstraße".
Etwa 1150 bis 1180 ist die heutige Kirche,
eine dreischiffige romanische Basilika gebaut. Sie wurde als Wehrkirche mit dicken
Außenwänden errichtet, hatte Schießscharten und so schmale Fenster, dass kein Mensch
hindurchsteigen konnte. Im Ernstfall diente sie der Bevölkerung als Zufluchtsort. Zur
Sicherung des Dorfes bestanden mehrere Landwehren, die durch alle Einwohner, insbesondere
jedoch allen wehrfähigen Männern verteidigt werden mussten. Die Männer schlossen sich
zu Bruderschaften zusammen und waren eng mit der Kirche verbunden. Auch unsere
Schützengesellschaft ist aus einer solchen Bruderschaft hervorgegangen und wird 1514
erstmals als "Bruderschaft unser lieben Frauen und der St.-Johannis-Pfarrkirche zu
Adorf" (Im Original: "Broderschapp unßer lieven Frouwen und Sinte Johänis
gelöbigender Parkercke to Adorpp") genannt.Neben der Kirche hatte die Burg für unser Dorf große Bedeutung. Adorf hat schon recht früh eine feste Burganlage besessen. Im Jahr 1228 wird uns der Ritter "Bruno von Athorpe" als Lehnmann der Arnsberger Grafen genannt. Das Geschlecht derer "von Adorf" und die "von Scharfenberg" sind Seitenlinien des in Padberg ansässig gewesenen Grafengeschlechts und führten auch ein ähnliches Siegel.
Die Waldecker Landordnung von 1525 sah Waffenappelle und -musterungen vor, die allgemein mit einem Übungsschießen , dem sogenannten "frey Gesellen-Schießen" verbunden waren. Die Jungschützen mussten sich unter gewissen Bedingungen "frei schießen" um in die Reihen der Altschützen aufgenommen zu werden. Aus diesem Grunde nennen wir noch heute unsere Schützenfeste "Freischießen".
Mit dem "Frei-Gesellen-Schießen" von 1616 endet zunächst die Tradition der Schützengesellschaft und wird durch den 30-jährigen Krieg unterbrochen. Während dieser Zeit ging die Bevölkerung auf weniger als die Hälfte zurück. Im Jahr 1655 kommt es zu einer Wiedergründung der Schützen, jedoch finden sich keine Anhaltspunkte mehr für eine starke Bindung zur Kirche. Sie ist bei uns in Waldeck mit der Reformation völlig verlorengegangen.
In welchen Zeiträumen unsere Freischießen in den vergangenen Jahrhunderten stattfanden, läßt sich nicht einwandfrei sagen. Da schriftliche Unterlagen kaum bestehen, können uns nur die vorhandenen Königsschilde in etwa Auskunft geben. Aus der Jahreszahl der Kleinodschilde ergibt sich jedoch ein ganz unregelmäßiger Rhythmus der Festfolge. Da sind Zeiträume von zwei, drei, sechs, zehn und wesentlich mehr Jahren verzeichnet, vorausgesetzt, dass jeder König einen Anhänger gestiftet hat und kein Schild verloren gegangen ist. Seit der Wiedergründung von 1655 stellen wir fest, dass nur zwei außergewöhnlich lange Pausen die Festfolge unterbrochen haben. Das war von 1775 bis 1837 als Blatternepedemien, die Napoleonischen Kriege sowie eine verheerende Feuersbrunst, die das halbe Dorf in Schutt und Asche legte, ein Fest unmöglich machten sowie der Zeitraum von 1837 bis 1874, in welchen die Unruhen der Revolution von 1848 fallen. Mit dem Freischießen von 1874 sind wieder Unterlagen über regelmäßige Festfeiern vorhanden. Seit 1952 begehen wir unser Freischießen alle 5 Jahre als Höhepunkt in unserem Dorfleben. Im Rahmen der Vorbereitung sind alle Mitbürger, gleich welcher Altersstufe mit großem Einsatz dabei und setzen somit Zeichen einer gesunden und lebendigen Dorfgemeinschaft.
Autor: Robert Erlemann
Quelle: Text auszugsweise entnommen aus der Festschrift "Adorf und seine bewegte Vergangenheit" zum 475. jährigen Bestehen der Schützengesellschaft Adorf.
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